Schlagwort-Archive: freies Dienstverhältnis

Was ist ein “freier Dienstvertrag”?

Immer häufiger bieten Arbeitgeber Bewerbern freie Dienstverhältnisse an. Ob ein freier Dienstvertrag das richtige für Sie ist, müssen Sie anhand der folgenden Überlegungen anstellen.

Was ist der Unterschied?

In einem “normalen” Dienstverhältnis hat man Anspruch auf Urlaub. Ein freier Dienstvertrag sieht einen solchen nicht vor. Das heißt, Sie können nur dann auf Urlaub gehen, wenn das Dienstverhältnis im Einvernehmen unterbrochen oder, auch einseitig, beendet wird.

Sie erhalten keine Sonderzahlungen. Ein freier Dienstvertrag wird ohne Weihnachts- und Urlaubsgeld abgeschlossen. Die Folge daraus ist, dass Sie mehr Geld als Monatsgehalt verlangen müssen, um auch in den monetären Genuss eines 13ten und 14ten Gehalts zu kommen.

Sollten Sie krank werden, haben Sie beim freien Dienstverhältnis keinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung. Das bedeutet, dass Sie im Krankheitsfall kein Geld bekommen.

Sie haben auch keinen Anspruch auf Bezahlung eines kollektivvertraglichen Mindestlohns und unterliegen nicht dem Schutz diverser Arbeits(schutz)gesetze.

Das Wesen des freien Dienstvertrags

Der “freie” Dienstnehmer stellt seine Arbeitsleistung zur Verfügung, ist aber gar nicht oder nur in geringem Ausmaß von seinem Arbeitgeber abhängig. Das bedeutet, dass Sie im wesentlichen selbst bestimmen können, wann und wo Sie arbeiten. An diesem Aspekt scheitert es in der Praxis oft. Denn der Arbeitgeber möchte zwar häufig die Vorteile des freien Dienstvertrages nutzen, ansonsten erwartet er, dass sich der freie Dienstnehmer an Anweisungen hält wie jeder andere Dienstnehmer auch.

“Freie” Dienstnehmer sind von Gesetzes wegen also nur in sehr geringem Ausmaß in die Organisation des Unternehmens eingebunden.

Sie haben z.B. auch keinen Arbeitsplatz im Unternehmen, verwenden keine Arbeitsmittel des Unternehmers und haben, wie erwähnt, auch keine fixen Arbeitszeiten.

Die Rechte aus dem freien Dienstvertrag

Auch als freier Dienstnehmer steht Ihnen die  “Abfertigung neu”. Das bedeutet der Arbeitgeber führt Beträge für Sie in einer Mitarbeitervorsorgekasse ab.

Sie erhalten im Falle der Arbeitslosigkeit Arbeitslosenunterstützung und im Falle einer Schwangerschaft Wochengeld.

Auch im Fall eines freien Dienstverhältnisses müssen Kündigungsfristen gemäß gesetzlicher Bestimmungen eingehalten werden.

Die Pflichten aus dem freien Dienstvertrag

“Freie” Dienstnehmer müssen ihre Einkünfte selbst versteuern. Das heißt, dass Sie im Unterschied zum “normalen” Dienstverhältnis,  Ihre “Lohnsteuer” (die in diesem Fall Einkommenssteuer heißt) selbst abführen müssen.  In diesem Falle wird der freie Dienstnehmer wie ein Unternehmer behandelt.

Der Arbeitgeber führt also im freien Dienstverhältnis die Lohnsteuer und die sozialversicherungsrechtlichen Abgaben nur hinsichtlich des Arbeitgeberanteils, nicht aber hinsichtlich des Arbeitnehmeranteils ab.

Sollte der “freie” Dienstnehmer ein Bruttogehalt erzielen, das über der Grenze der “Kleinstunternehmerregelung” (Stand Mai 2019: Jahresumsatz 30.000.-) liegt, so ist er auch umsatzsteuerpflichtig wie ein Unternehmer.

Sollten Sie eine Rechtsberatung in Anspruch nehmen müssen, wenden Sie sich an die Arbeiterkammer.

www.dieBusinesscoach.at

Das könnte Sie auch interessieren: Themen rund um die Arbeitnehmerkündigung

aktualisiert im Mai 2019