Fangfrage Teamfähigkeit

Die Fangfrage zur Teamfähigkeit lautet: “Arbeiten Sie lieber im Team oder allein?” Diese vermeintlich einfache Frage stellt sich bei näherer Betrachtung oft als Fangfrage heraus.

Sie wissen zum Zeitpunkt des Bewerbungsgespräches meistens nicht, welche konkreten Anforderungen an das Team bzw. dessen Fähigkeit zusammen zu arbeiten, gestellt werden. Allerdings finden Sie mit Sicherheit Hinweise dazu im Inserat. Deshalb rate ich – wie so oft – das Inserat genau zu lesen.

Achtung, Fangfrage!

Wie bei vielen Fangfragen, die alternative Antworten erlauben, sollten Sie auch bei dieser Fangfrage vorsichtig sein! Es gibt nämlich kaum Jobs, bei denen Sie völlig auf sich allein gestellt sind. Gleichzeitig wird bei den meisten Jobs selbstständiges Arbeiten verlangt.

Antworten Sie daher nicht voreilig, sondern bieten Sie dem Fragenden verschiedene Szenarien an!

Bieten Sie verschiedene Szenarien an!

In den meisten Fällen wird es bei der Fangfrage nach der Teamfähigkeit wohl von der Situation abhängen, ob Sie sinnvollerweise alleine oder im Team arbeiten. So könnten Sie z.B. antworten: “wenn es um die Einholung von Informationen geht, bin ich alleine wahrscheinlich schneller, geht es aber um das Finden von Lösungen, so glaube ich, dass ein Team umfassendere Antworten findet, als dies alleine möglich wäre!”

Damit beantworten Sie die Frage wahrscheinlich so, wie es der Personalist gerne hören möchte! Sie wägen nämlich auch die Sinnhaftigkeit Ihres Tuns ab, agieren ziel- und  lösungsoriertiert und zeigen gleichzeitig soziale Kompetenz! Damit hat der Personalist mit seiner Frage viel mehr über Sie erfahren, als er ursprünglich damit rechnen konnte.

Fragen im Bewerbungsgespräch zielen nicht auf eine einzige Antwort ab. Vielmehr will der Personalist Sie als Person fassen können. Er muss in einer relativ kurzen Zeit einschätzen können, ob Sie zum Unternehmen passen. Deshalb wird ein Profi es auch vermeiden, Ihnen geschlossene Frage zu stellen.

Weitere (kreative) Fangfragen finden Sie auch hier.

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aktualisiert im Mai 2019

“soll ich mein Kind verschweigen?”

“Soll ich bei der Bewerbung mein Kind verschweigen?” Diese Frage wurde mir vor kurzem von einer jungen Mutter gestellt, die den Rat bekommen hatte, ihre Jobchancen zu erhöhen, wenn sie ihr (Klein-)Kind verheimlichte!

Muss man Privates überhaupt erwähnen?

Prinzipiell gebe ich den Rat, nur jene Dinge im Lebenslauf anzuführen, die für den Job relevant sind. Niemanden interessiert z.B., wie der Geburtsname Ihrer Mutter lautete! Es wird auch für den Job nicht relevant sein, ob Sie verheiratet, geschieden oder ledig sind!

Auch Kinder sind im Regelfall für die Ausübung eines Jobs irrelevant. Daher sehe ich keine Veranlassung, sie zu erwähnen! Gleichzeitig schadet es aber auch nicht, sie anzuführen, DENN:

Irgendwie ist es ja logisch!

Die Entscheidung, ob man einen Job auch mit seinen Kindern erfüllen kann, muss schon im Vorfeld fallen!

Sind Ihre Kinder in einer Betreuung? Sorgen im Notfall Vater, Großeltern oder andere Verwandte für deren Aufsicht, wenn Sie mal Überstunden machen sollen oder ausnahmsweise mal abends an einem Firmenevent teilnehmen? Dann stehen Ihre Kinder auch der Ausübung eines Ganztagsjobs nicht im Wege und im Normalfall sucht man auch einen solchen! In einem solchen Fall rate ich übriges, in der Bewerbung zu erwähnen, dass die Versorgung sichergestellt ist.  Dann dürfte auch die Bewerbung mit Kind kein Problem sein.

Wenn man sehr kleine Kinder hat und die letzten Jahre der Karenz im Lebenslauf ersichtlich sind, dann empfehle ich, um die Aussicht auf ein Bewerbungsgespräch zu erhöhen, dass man den Umstand, dass man nach der Kinderzeit wieder einen Ganztagsjob machen möchte und dies auch möglich sein wird (!), im Motivationsschreiben anzuführen!

Suchen Sie aber nach einem Teilzeitjob, gerade weil Sie für Ihre Kinder ausreichend Zeit haben wollen, dann schadet das Anführen der Kinder im Lebenslauf nicht, weil Unternehmen, die einen Teilzeitjob anbieten, ja ganz genau damit rechnen. Dass sich Mütter von kleinen Kindern melden werden! Ein Verheimlichen wäre widersinnig.

Über die Chancengleichheit erfahren Sie hier mehr.

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Jobbewerbung per Du?

Immer häufiger findet man in Jobbörsen Stelleninserate per Du. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um eine versteckte Botschaft.

Warum tun die das?

In vielen Fälle wird es sich um ein Start up bzw. um ein sehr junges Unternehmen handeln. In jedem Fall aber will das Unternehmen flache Hierarchien vermitteln.

Es liegt jedenfalls auf der Hand, dass das inserierende Unternehmen mit seiner Stellenanzeige per Du  eine junge Bewerberschicht ansprechen möchte.

In meinen Augen ist es vor allem aber auch eine sehr elegante Variante das Diskriminierungsverbot zu umgehen, da schnell klar ist, dass sich das Unternehmen vorzugsweise an junge AdressatInnen wendet und man als älteres Semester wenig Chancen hat.

Manche Firmen exportieren die Du Kultur aber auch in andere Länder, ohne dass dabei eine Manipulation angenommen werden kann. Prominentestes Beispiel dafür ist Ikea. Dort wurde man als Kunde bereits bei der ersten Filialeröffnung  in Österreich vor ca. 30 Jahren  geduzt.

Näheres über die Hintergründe der Du Kultur finden Sie auch hier.

Soll ich auch Duzen?

Die Frage ist nun, wie Sie in Ihren eigenen Bewerbungsunterlagen darauf reagieren sollen?

Im ersten Schritt sollten Sie sowohl das Inserat als auch die Homepage des Unternehmens genau zu prüfen.

Nur wenn Sie in allen Quellen eine durchgängige Du Kultur erkennen können, sollten auch Sie Ihre Bewerbung im gleichen Stil verfassen. Dann testet das Unternehmen wahrscheinlich schon im Vorfeld, ob Sie zum Unternehmen passen, da sich noch immer viele Menschen mit dem Sie wohler fühlen.

Wenn allerdings nur die Stelleninserate per Du formuliert sind, die Website des Unternehmens aber ansonsten zeigt, dass gegenüber dem Kunden eine Sie Kultur gepflegt wird, dann sollten Sie auch in Ihren Texten das förmliche Sie verwenden.

Wo die Ausnahme zur Regel wird?

Aktuell sind die Stelleninserate per Du noch in der Minderheit. Daher sollten auch Sie bei Ihren Bewerbungen in der Regel die Sie Kultur pflegen.

Allerdings ist – nicht zuletzt aufgrund der in den sozialen Medien gepflegten Du Kultur – der Vormarsch des Du stark zu erkennen. Bei Firmen wie Ikea, Runtastic und shpock ist die Bewerbung per Du schon Pflicht, um überhaupt in die engere Wahl zu kommen.

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Nur Absagen – nehmen Sie sie nicht persönlich!

Haben Sie schon gefühlte hundert Absagen auf Ihre Bewerbung im Postfach? Können Sie den ewig gleichen Standardtext “… dass ein anderer Bewerber die  geforderten Qualifikationen noch besser erfüllt …” schon nicht mehr lesen?

Stellen Sie die Basics sicher!

Wenn Sie sicher sind, dass Ihre Unterlagen “top” sind, Sie ein Foto verwenden, das professionell angefertigt wurde und Sie auch beim Versenden oder Hochladen Ihrer Dokumente keinen Fehler gemacht haben, dann liegt der “Fehler” wohl nicht bei Ihnen!

Es können auch unternehmensinterne Gründe sein!

In meiner beruflichen Praxis kam es leider häufiger vor, dass der Bewerbungsprozess nicht so gelaufen ist,  wie ich mir das von einem professionellen Prozess gewunschen hätte.

Zum Beispiel kam es vor, dass ich eine Stellenausschreibung laufen hatte, sich auch bereits einige BewerberInnen gemeldet hatten und plötzlich überraschte mich ein Aufnahmestopp der über das ganze Unternehmen verhängt wurde. Wir mussten allen BewerberInnen absagen.

Ein anderes Mal waren wir bereits mitten im Auswahlverfahren. Aufgrund der Veränderung der Führungskraft hatte plötzlich ein anderer das Sagen. Der hatte auch andere Vorstellungen an seine MitarbeiterInnen. Und plötzlich sah das Inserat mit dem wir suchten ganz anders aus. Mir war es persönlich unangenehm, dass wir den Kandidatinnen, die wir bereits interviewt hatten, absagen mussten.

Manchmal kam es auch vor, dass ganz andere Ereignisse dazu führten, dass wir Bewerbungsprozesse, die bereits fortgeschritten waren, wieder abbrechen mussten. Z.B. weil wir ein Unternehmen gekauft hatten und das Personalbudget für andere Maßnahmen verwendet werden musste.

Es kann daran liegen, dass Sie überqualifiziert sind.

Dieses Phänomen sehe ich in meiner Praxis als Businesscoach leider sehr häufig. Kandidatinnen, die sehr gut ausgebildet sind und vielleicht sogar eine Menge Erfahrung in ihrem Job haben, bewerben sich auf alle möglichen Jobs um Ihre Chancen zu erhöhen. Darunter sind leider auch viele, bei denen man dieses Know How und auch die Erfahrung gar  nicht brauchen kann.

Überqualifizierung bedeutet übrigens nicht, dass man auch so gescheit ist. Es bedeutet einfach, dass sie mehr können, als man eigentlich braucht. Wovon auch immer.

Die weit verbreitete Meinung bei KandidatInnen ist “Mir macht das gar nichts aus, dass ich mehr kann. Die müssten ja froh sein, wenn ich den Job trotzdem mache!” Das würde leider nur dann stimmen, wenn es nicht so viele andere BewerberInnen gäbe. Firmen wollen genau das haben, was sie suchen. Nicht weniger, aber leider auch nicht mehr. Zu groß erscheint die Gefahr, dass Sie schnell wieder weg sind, sobald Sie etwas besseres gefunden haben.

Man weiß gar nicht, was Sie alles können!

Jüngst wandte sich eine sehr gute Kandidatin an mich, die laufen Absagen auf ihre Bewerbung erhielt. Sie hatte noch einen sehr hochdotierten Job und wollte gewappnet sein, weil sich Veränderungen in ihrer Firma abzeichneten.

Sie war bereits sehr frustriert, weil Sie immer nur Absagen bekam.

Als ich mir ihre Unterlagen näher ansah, tat Sie mir wirklich leid. Ich konnte spüren, dass sie Ihre Bewerbungen sehr gewissenhaft machte und viel Zeit und Energie hineinfloss. Und ich erkannte, dass sie nicht verstanden wurde!

Leider nehmen in großen Firmen oft die Personalabteilungen die Vorselektion vor, ohne Ahnung von den gewünschten Fachkenntnissen zu haben. Finden sich in diesen Bewerbungen keine Wiederholungen der Wörter die im Inserat genannt sind, versteht die Mitarbeiterin in der Personalabteilung möglicherweise nur “Bahnhof”. Wer hier nicht daran denkt, dass er Laien (Personalisten) und Profi (die Fachexperten) gleichermaßen überzeugen muss, um eingeladen zu werden, landet ziemlich schnell am “Leider Nein”-Stapel!

Der Vollständigkeit halber erwähne ich, dass wir ihre Unterlagen umgebaut haben und ich besonders darauf achtete, dass die Zielgruppe der Personalisten erkennen, dass die Kandidatin auf die ausgeschriebenen Jobs passen. Für mich nicht überraschend hatte sie binnen einer Woche vier (!) Vorstellungsgespräche.

Gut gemeint, aber leider nicht gut gemacht!

Letztendlich führen diverse, leider nur vermeintlich gut gemeinte, gesetzliche Diskriminierungsverbote dazu, dass Unternehmen sehr schwammig kundtun, was sie eigentlich suchen.

Ein Unternehmen, dass einen Job ausschreibt, hat in der Regel eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wen es tatsächlich sucht.  Z.B. möchte man einen männlichen Mitarbeiter, weil der besser ins Team passt. Er soll so um die 35 sein, weil er dann schon einige Jahre Job-Erfahrung hat, gleichzeitig aber ausreichend Know How mit neuen Medien mitbringt. Man möchte vielleicht auch nur Bewerber aus einem ganz bestimmten Kulturkreis, etwa weil man Konflikte mit der bestehenden Stammmannschaft ausschließen möchte.

All das sind Gründe, die man in ein Inserat nicht schreiben darf! Also lautet die Annonce, dass man Personen gleich welchen Geschlechts, Alters oder Nationalität sucht.  Das Unternehmen wird folglich überhäuft mit – teilweise bestimmt sehr guten – von vornherein aber nicht in Frage kommenden Bewerbungen!

Verzagen Sie also nicht wenn Sie oft Absagen auf Ihre Bewerbung erhalten und stellen Sie sich einfach einen der genannten Gründe für die gerade erhaltene Absage vor!

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