Sie haben eine Einladung zu einem Bewerbungsgespräch erhalten?
Herzliche Gratulation!
Genau jetzt passieren allerdings vielen Bewerberinnen und Bewerbern Fehler, die ihnen selbst oft gar nicht bewusst sind. Denn im Bewerbungsgespräch wird nicht nur bewertet, was Sie sagen – sondern auch, wie Sie auftreten, kommunizieren und wirken.
Gerade scheinbar kleine Verhaltensweisen können dabei einen deutlich stärkeren Eindruck hinterlassen, als viele vermuten.
1) Vor dem Gespräch
Viele Bewerberinnen und Bewerber versuchen unmittelbar vor dem Gespräch noch schnell ihre Nervosität zu reduzieren – etwa mit einer Zigarette oder einem Kaugummi.
Genau dadurch entstehen allerdings oft unbewusst erste negative Wirkungssignale.
Gerade Zigarettengeruch fällt in geschlossenen Räumen meist deutlich stärker auf, als Betroffenen selbst bewusst ist. Besonders problematisch wird das, wenn Gesprächspartner Nichtraucher sind oder sehr sensibel auf Gerüche reagieren.
Ebenso ungünstig wirkt es häufig, wenn Bewerberinnen oder Bewerber den Gesprächsraum Kaugummi kauend betreten. Was eigentlich als Versuch gedacht ist, Nervosität oder Gerüche zu überspielen, kann schnell als zu locker, unkonzentriert oder wenig professionell wahrgenommen werden.
Gerade die ersten Minuten eines Bewerbungsgesprächs prägen den Gesamteindruck oft stärker, als viele vermuten.
2) Zu Beginn
Gerade die ersten Minuten eines Bewerbungsgesprächs werden häufig unterschätzt.
Viele Unternehmen achten bereits beim Betreten des Raumes auf:
- Auftreten,
- Körpersprache,
- Begrüßung,
- Präsenz
- und soziale Sicherheit.
Oft sind es dabei kleine Verhaltensweisen, die einen ersten Eindruck prägen.
Dazu gehört beispielsweise auch, ob Bewerberinnen und Bewerber abwarten, bis ihnen ein Platz angeboten wird. In professionell geführten Bewerbungsgesprächen wird das Gesprächssetting meist bewusst vorbereitet. Wer sich vorschnell setzt oder den Ablauf ungefragt übernimmt, kann dadurch unbeabsichtigt Unruhe oder mangelndes Gespür für die Situation vermitteln.
Gerade zu Beginn geht es daher weniger darum, besonders dominant oder locker aufzutreten. Viel wichtiger ist meist, aufmerksam, präsent und situationssicher zu wirken.
Welche scheinbar unverfänglichen Fragen Unternehmen gerade in dieser Phase stellen – und warum diese oft mehr Bedeutung haben, als Bewerberinnen und Bewerbern bewusst ist –, lesen Sie im Artikel Fangfragen in der Anfangsphase des Bewerbungsgesprächs
3) Während des Gespräches
Nervosität zeigt sich im Bewerbungsgespräch häufig über das Kommunikationsverhalten.
Gerade unsichere Bewerberinnen und Bewerber versuchen oft, ihre Anspannung durch besonders schnelles oder übermäßiges Sprechen zu überspielen. Andere wiederum möchten besonders kompetent oder führungsstark wirken und beginnen früh, die Gesprächsführung an sich zu ziehen.
Beides kann problematisch werden.
Denn in professionell geführten Bewerbungsgesprächen geht es nicht darum, möglichst dominant aufzutreten oder jede Gesprächspause sofort zu füllen. Viel wichtiger ist meist, aufmerksam zuzuhören, Fragen präzise zu beantworten und ein gutes Gespür für die Gesprächsdynamik zu zeigen.
Gerade erfahrene Interviewpartner achten sehr genau darauf,
- ob jemand andere ausreden lässt,
- wie souverän mit Gesprächspausen umgegangen wird,
- ob Antworten strukturiert bleiben
- und wie präsent jemand wirkt, ohne permanent die Kontrolle übernehmen zu wollen.
Präsenz und Kommunikationsstärke wirken im Bewerbungsgespräch oft deutlich überzeugender als übertriebene Dominanz.
Warum gerade Führungskräfte im Bewerbungsgespräch häufig an der Balance zwischen Präsenz, Führungsstärke und Dominanz scheitern, lesen Sie im Artikel 10 Fehler, an denen Führungskräfte im Bewerbungsgespräch scheitern.
4) Die Körperhaltung
Auch Körpersprache beeinflusst die Wirkung im Bewerbungsgespräch deutlich stärker, als vielen Bewerberinnen und Bewerbern bewusst ist.
Wer sehr zusammengesunken sitzt, ständig die Position wechselt oder sichtbar unruhig wirkt, sendet oft unbeabsichtigt Signale von Unsicherheit, Nervosität oder Desinteresse.
Umgekehrt wirkt eine aufrechte, ruhige und präsente Körperhaltung meist deutlich souveräner und professioneller.
Dabei geht es nicht darum, künstlich „perfekt“ zu sitzen. Entscheidend ist vielmehr, ob jemand insgesamt aufmerksam, präsent und gefestigt wirkt.
Gerade erfahrene Recruiterinnen, Recruiter und Führungskräfte nehmen solche Wirkungssignale häufig sehr schnell wahr — oft sogar unbewusst.
Viele Signale von Nervosität entstehen im Bewerbungsgespräch völlig unbewusst. Wie Sie Anspannung und Unsicherheit dennoch besser kontrollieren können, lesen Sie im Artikel Garantiert weniger Nervosität mit diesen 11 Tipps!
5) Halten Sie Augenkontakt zum gesamten Gesprächsteam
Gerade in größeren Unternehmen nehmen häufig mehrere Personen am Bewerbungsgespräch teil.
Viele Bewerberinnen und Bewerber konzentrieren sich dabei unbewusst fast ausschließlich auf jene Person, die die meisten Fragen stellt oder besonders dominant wirkt. Dadurch fühlen sich andere Gesprächsteilnehmer jedoch schnell übergangen oder weniger eingebunden.
Versuchen Sie deshalb, den Blickkontakt nicht nur auf eine einzelne Person zu richten. Beziehen Sie vielmehr das gesamte Gesprächsteam immer wieder bewusst mit ein — auch dann, wenn Sie gerade nur von einer Person angesprochen werden.
Gerade auf Führungsebene achten Unternehmen häufig sehr genau darauf,
- wie präsent jemand im Raum wirkt,
- ob mehrere Gesprächspartner gleichzeitig wahrgenommen werden
- und wie sicher Menschen in komplexeren Gesprächssituationen agieren.
Wie wichtig Präsenz, Blickkontakt und Gesprächssteuerung insbesondere in Hearings und Auswahlkommissionen werden können, erfahren Sie in den Artikeln Hearing vorbereiten: Die häufigsten Fehler von Führungskräften sowie Richteramtsanwärter Hearing – mit gezielter Vorbereitung zum Erfolg!
6) Zeigen Sie Interesse durch Fragen
In vielen Bewerbungsgesprächen wird gegen Ende gefragt:
„Haben Sie noch Fragen an uns?“
Viele Bewerberinnen und Bewerber unterschätzen die Bedeutung dieses Moments massiv. Denn Unternehmen prüfen mit dieser Frage häufig deutlich mehr als bloße Neugier.
Beobachtet wird unter anderem,
- wie intensiv sich jemand vorbereitet hat,
- wie stark echtes Interesse an der Position vorhanden ist,
- ob Zusammenhänge verstanden wurden,
- wie reflektiert jemand denkt,
- und wie professionell sich Bewerberinnen und Bewerber mit Unternehmen und Rolle auseinandergesetzt haben.
Wer an dieser Stelle ausschließlich mit:
„Nein, momentan nicht.“
antwortet, verschenkt daher oft eine wichtige Möglichkeit, Interesse und Vorbereitung sichtbar zu machen.
Besonders positiv wirkt es meist, wenn sich Fragen erkennbar aus dem Gespräch ergeben oder wenn Bewerberinnen und Bewerber auf vorbereitete Themen Bezug nehmen können.
Dadurch entsteht häufig ein deutlich professionellerer Eindruck als durch allgemeine Standardfragen, die in nahezu jedem Bewerbungsgespräch gestellt werden.
7) Der Abschluss des Bewerbungsgespräches
Am Ende eines professionell geführten Bewerbungsgesprächs wird meist erklärt, wie der weitere Auswahlprozess aussieht und wann mit einer Rückmeldung gerechnet werden kann.
Trotzdem erleben viele Bewerberinnen und Bewerber gerade in den letzten Minuten nochmals Unsicherheit. Manche beginnen plötzlich hektisch zu wirken, andere versuchen das Gespräch unnötig zu verlängern oder vermeiden aus Nervosität jede Rückfrage.
Dabei kann gerade der Abschluss nochmals einen professionellen Eindruck hinterlassen.
Es ist daher völlig legitim, höflich nach dem weiteren Ablauf, dem nächsten Gesprächsschritt oder dem ungefähren Zeitrahmen zu fragen.
Solche Fragen zeigen in der Regel nicht Ungeduld, sondern Interesse, Professionalität und ein gutes Verständnis für Bewerbungsprozesse.
Gerade die letzten Minuten eines Gesprächs bleiben Interviewpartnern oft überraschend stark in Erinnerung.
Vertiefende Themen
Wie Sie sich organisatorisch, mental und im Hinblick auf Ihr Auftreten sinnvoll auf ein Bewerbungsgespräch vorbereiten, erfahren Sie im Artikel praktische Vorbereitung auf ein Bewerbungsgespräch – worauf es wirklich ankommt.
Welche Fragen im Bewerbungsgespräch typischerweise gestellt werden, welche psychologischen Dynamiken dahinterstecken und worauf Unternehmen bei Ihren Antworten achten, lesen Sie in Bewerbungsgespräch erfolgreich meistern: Die wichtigsten Fragen und wie Sie professionell antworten.
Weiterführende Themen
Bewerbungsgespräch ist nicht gleich Bewerbungsgespräch. Welche unterschiedlichen Gesprächsformate Unternehmen einsetzen – und worauf es jeweils ankommt –, erfahren Sie im Artikel Vorstellungsgespräch: Welche Formate es gibt – und worauf es ankommt.
Warum Telefoninterviews ihre ganz eigenen Herausforderungen mit sich bringen, lesen Sie in Bewerbungsgespräch am Telefon
Worauf Sie bei Videointerviews besonders achten sollten und welche Fehler im Onlinegespräch häufig unterschätzt werden, zeigt Vorstellungsgespräch online erfolgreich führen


